10.12.2015 Was ich lese
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Ich weiß, ich habe schon sehr sehr sehr lange keinen Lesetipp mehr gepostet. Während der Lesereise habe ich zwar unfassbar viel gelesen (was soll man sonst in der DB machen?), aber leider nichts, das mich so richtig von den Socken gehaut hätte. Schlimmer, sehr viel Enttäuschendes, deutschsprachige Neuerscheinungen, auf die ich mich irre gefreut hatte, und die mich teilweise zur Weißglut getrieben haben. In so einem Fall kann man nur eines machen: Klassiker (wieder)lesen. Ach wie geil waren die Buddenbrooks! Anna Karenina! Sophokles’ Elektra (ja, ich weiß, kurzes Bändchen, aber wenn man's auch Griechisch liest, braucht das seine Zeit). Auf Anraten eines wunderbaren Innsbrucker Buchhändlers in der Wagner'schen, (welche übrigens, man glaubt es nicht, im Oktober aus der Thalia-Kette hinausgekauft worden und wieder zu einer Inhaber-geführten-Sortiments-Buchhandlung geworden ist) habe ich nun aber endlich Colum McCann gelesen und ich war sooo begeistert! 'Transatlantik', sein jüngstes Buch, habe ich in einem Guss verschlungen und ich schwöre: am Ende hab ich geweint, weil es so großartig war. Die Erzählperspektive ist mehr als nur mutig: die Geschichten des amerikanischen Abolitionisten Douglass, der ersten Transatlantik-Flieger Alcock & Brown sowie des US-Senators Mitchells, welcher die nordirischen Friedensgespräche zu einem guten Ende führte, werden durch die Geschichten der Frauen, die ihnen begegneten, miteinander verwoben. Einzelgeschichten, die immer irgendwie zusammenhängen, Fiktion und Realität, die am Ende nichts weniger schaffen als den größten irisch-transatlantischen Gesellschaftsroman. Nicht nur Figuren, die einem zu Herzen gehen, die gesamte durchwachsene Geschichte Irlands erwacht vor den Augen des Lesers zu Leben. Wenn andere Schriftsteller Quotes für den Klappentext geben, macht mich das eigentlich skeptisch, aber Dave Eggers hat bei diesem Roman sooooo Recht: Jede Seite ist so voller Leidenschaft, Humor und schierer Lebenskraft, dass man geblendet, trunken, überwältigt zurückbleibt. Ein großartiges Leseerlebnis, das ich Euch unbedingt ans Herz legen MUSS. Ich will auch nicht länger irgendwelche Inhaltsangaben geben, nur der letzte Satz, der die Gewalt dieses Buches genial zusammenfasst: Wir müssen der Welt Bewunderung dafür zollen, dass sie nicht einfach endet und uns im Stich lässt.

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Vea Kaiser ist 1988 in St. Pölten (Österreich) geboren, sie veröffentlichte 2012 ihren ersten Roman Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Be… weiterlesen

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